Trophic Cascade

African Impact legt grossen Wert darauf, dass wir Voluntäre während unserem Einsatz nebst praktischen Tätigkeiten auch unseren geistigen Horizont erweitern.

2x wöchentlich kamen wir so in den Genuss von interessanten Vorträge, die unsere Guides hielten. Themen, die angesprochen wurden, waren Wilderei, Ethnische Vielfalt, Jägerei, Schutzprojekte, u.v.m.
Ein Thema, das mich unglaublich fasziniert hat, war “Trophic Cascade” oder auf deutsch “Trophische Kaskade”. Nein, es ging nicht um irgendwelche tropischen Wasserfälle sondern um den Einfluss der Raubtiere auf Pflanzenfresser und letztlich auf die Veränderung des gesamten Ökosystems.

Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass die Basis der Nahrungspyramide entscheidenden Einfluss auf die Pflanzenfresser und diese auf die grossen Räuber an der Spitze ausübt (Bottom-Up-Prozess). “Doch Ökologen wie James Estes von der University of California fordern nun zum Umdenken auf. Neuen Erkenntnissen nach geht von den großen Räubern ein so prägender Einfluss aus, dass er sich wie ein Domino-Effekt auf alle tieferen Ebenen eines Ökosystems auswirkt. Die Forscher nennen das die trophische Kaskade.
Diese Top-Down-Theorie kehrt alles um. Sie bedeutet, dass die Raubtiere die Population der Pflanzenfresser regulieren, was wiederum die Verbreitung der Pflanzen beeinflusst und so weiter und so fort.“ (Deutschlandfunk)

Ein berühmtes Beispiel ist die Wiedereinführung der Wölfe im Yellowstone Nationalpark in den USA. Die Anwesenheit dieser Raubtiere hat das Verhalten der Elche massgeblich verändert: sie meiden offene Flächen, was wiederum dazu führt, dass sich die Vegetation verändern kann. Wer mehr wissen will, findet in diesem Video verständliche Erklärungen.

Das Bewusstsein für diese trophischen Kaskaden hilft bei der “Bewirtschaftung” der südafrikanischen Wildreservate. Grosse Raubtiere und in ähnlicher Weise auch grosse Pflanzenfresser wie Elefanten prägen das Ökosystem mehr als bisher angenommen wurde. Die Anwesenheit dieser Tiere führt zu einer grösseren Pflanzen- und Tiervielfalt. Die grossen Raubtiere regulieren nicht nur die Pflanzenfresser sondern verändern auch ihre Fress- und Lebensgewohnheiten. Dank den Löwen siedeln sich auch Aasfresser wie Geier und Hyänen wieder an.

Eine Überpopulation kann das Gleichgewicht jedoch ebenso empfindlich stören. Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, kleinere Reservate zu öffnen, um den grossen Räubern mehr Jagdgebiet zu geben und gleichzeitig die genetische Vielfalt zu gewährleisten.

Langsam reift die Erkenntnis, wie das Grosse mit dem Kleinen, das Lebendige mit dem Leblose, das Schillernde mit dem Unscheinbaren verbunden ist. Dieser Middle-Out-Ansatz kombiniert die bisherigen Theorien und wird zur Zeit intensiv erforscht.

Hinterlassen Sie einen Kommentar